Frauenarzt-Praxis Berlin Mitte

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Anti-Müller-Hormon - die biologische Uhr?

Kann ich überhaupt noch schwanger werden, lohnen sich teure Techniken der Reproduktionsmedizin, wie weit bin ich von den Wechseljahren entfernt? Irgendwann im Leben einer Frau können diese Fragen aufkommen. Die Antwort liefert möglicherweise das Anti-Müller-Hormon, AMH.

Die Geschlechtsdifferenzierung erfolgt in der Embryonalzeit. Grundsätzlich werden alle Embryonen weiblich, es sei denn, der Chromosomensatz enthält ein Y-Chromosom. Nur dann werden sie männlich. Aus den Wolff'schen Gängen bilden sich in der Embryogenese männliche Geschlechtsorgane, aus den Müller'schen Gängen weibliche.

Unter dem Einfluss des Y-Chromosoms bilden die Sertoli-Zellen in den Keimdrüsen männlicher Embryonen das Anti-Müller-Hormon, unter dem die Müller'schen Gänge verkümmern, wie der Name schon sagt. Fehlt das Y-Chromosom, verkümmern die Wolff'schen Gänge, der Embryo wird also weiblich.

Bis zur Pubertät bilden nur Jungen AMH, das später um das Testosteron bei der Virilisierung (Vermännlichung) ergänzt wird. Bei Mädchen wird AMH erst ab der Pubertät in den Granulosazellen der heranwachsenden Follikel (Eibläschen) der Eierstöcke (Ovarien) gebildet, nicht aber in den Primordialfollikeln, den angelegten Vorstufen, und auch nicht in den unter FSH-Einfluss stehenden antralen Follikeln vor dem Eisprung. Offensichtlich reguliert AMH den Follikelverbrauch der Frau.

AMH ist proportional korreliert mit der Anzahl reifungsfähiger Ovarialfollikel. Es  ist zyklusstabil und zeigt daher jederzeit die ovarielle Funktionsreserve an, auch unter Gebrauch von Kontrazeptiva oder in der Schwangerschaft. Es kann daher ideal als Marker für die ovarielle Fertilität der Frau herangezogen werden, anders als Inhibin B oder FSH, die zyklischen Schwankungen unterliegen..

Zwischen dem 18. und 30. bis 35. Lebensjahr ist der AMH-Spiegel im Blut relativ konstant und sinkt mit zunehmendem Alter als Ausdruck der eingeschränkten funktionellen Eierstock-Reserve ab. Dabei ist ein signifikanter AMH-Anfall bereits Jahre vor einem FSH-Anstieg zu beobachten, als Ausdruck der Wechseljahre.

Bei Frauen mit uneingeschränkter ovarieller Funktionsreserve werden AMH-Werte zwischen 1,0 und 8,0 µg/l im Blut gemessen. Bei 0,4 bis 1,0 µg/l ist die Funktionsreserve eingeschränkt. Nach der Menopause (letzte Regelblutung in den Wechseljahren) werden Werte unter 0,4 µg/l gemessen.

Für die Reproduktionsmedizin bedeutet das:

  • Bei eingeschränkter ovarieller Funktionsreserve sind signifikant höhere rFSH-Dosen zur Stimulation der Eierstöcke erforderlich. Je niedriger die AMH-Werte sind, desto unwahrscheinlicher wird der Stimulationserfolg. Bei biologisch fortgeschrittenem Alter sollten hier Kosten und wahrscheinlicher Misserfolg gegen einander abgewogen werden. Was nicht geht, geht nicht - hart aber fair.
  • Bei höheren normwertigen AMH-Spiegeln wird die Wahrscheinlichkeit eines ovariellen Überstimulationssyndroms unter Gabe von rFSH größer.
  • Beim PCO-Syndrom werden oft übernormwertige AMH-Spiegel zwischen 8,0-15,0 µg/l gemessen. Bei off-label-use mit Metformin, einem Antidiabetikum, können die AMH-Konzentrationen signifikant und längerfristig gesenkt werden.
  • Der AMH-Spiegel sagt nur etwas aus über die Stimulierbarkeit der Eierstöcke, aber nichts über den Eintritt einer Schwangerschaft bei erfolgreicher Stimulation.

Zur Frage, wie weit bin ich von den Wechseljahren entfernt, lohnt sich angesichts der Arzt- und Laborkosten von insgesamt ca. 60-70 Euro die Bestimmung des AMH-Spiegels nicht, wenn Kinderwunsch nicht besteht. Die Wechseljahre kommen erst einige Jahre nach dem AMH-Abfall.

Die Frage, kann ich mit der Umsetzung meines Kinderwunsches noch warten, kann bei Frauen jenseits des 30.-35. Lebensjahres beantwortet werden, wenn kein PCO-Syndrom vorliegt.

Zur Abschätzung des reproduktionsmedizinischen Erfolgs bei Kinderwunsch wird heute allerdings jenseits des 30.-35. Lebensjahres zur AMH-Bestimmung dringend geraten, um die Hormondosen möglichst frühzeitig anpassen und teure, aber nicht erfolgsträchtige Behandlungen vermeiden zu können.

Achtung!

Labors arbeiten mit unterschiedlichen Konzentrationsangaben. Das Anti-Müller-Hormon sagt der Frau etwas über ihr biologisches Alter aus, was zu intra- und inter-individuellen Konflikten führen kann. Deshalb immer auf die Dimensionen achten!

Für AMH gilt:

µg/l = ng/ml x ~7,1 = pmol/l

pmol/l / ~7,1 = ng/ml = µg/l

 

 

 

 

 

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