Blasenprobleme und Inkontinenz
Häufiges
Wasserlassen, ungewollter Urinabgang, Harndrang, Brennen beim
Wasserlassen, Ziehen in der Harnblase sind typische Zeichen für
Erkrankungen der Harnblase oder ihrer Umgebung. Aus anatomischen und
funktionellen Gründen sind Frauen besonders anfällig für Blasenprobleme.
Die
Harnblase sammelt den Urin und die darin gelösten "Giftstoffe", die die
Nieren ständig aus dem Blut ausfiltern. Etwa 1,5 Liter Urin werden täglich
produziert und ausgeschieden. Der Abfluss geschieht über die Harnröhre,
die bei der Frau mit höchstens 4 cm ausgesprochen kurz ist und eng
benachbart ist zur Vagina und zum Darmausgang. Sowohl in der Scheide als
auch im Darm finden sich zahlreiche Bakterien und potenzielle
Krankheitserreger.
Die
Harnblase ist ein Hohlorgan. Sie ist - wie alle Hohlorgane - mit
Schleimhaut ausgekleidet. Die Blasenwand besteht aus sehr dehnbarer
Muskulatur. Auch bei zunehmendem Füllungszustand der Harnblase steigt der
Innendruck nicht an. Am Blasenausgang verschließen Muskelfasern die
Harnröhre.
Die
Harnblase wird vom Beckenboden getragen, der dafür sorgt, dass der
Blasenboden und die Harnröhre in einem optimalen Winkel zueinander stehen.
Diesen Winkel hat einen erheblichen Einfluss auf den Blasenverschluss. In
der Blasenwand befinden sich Rezeptoren (Fühler), die über das vegetative
Nervensystem den Dehnungszustand der Harnblase messen und über Reflexbögen
im Rückenmark und im Gehirn regeln. Wird ein bestimmter Schwellenwert des
Füllungszustands erreicht, Ziehen sich die Muskelfasern der Blasenwand
zusammen und erhöhen den Innendruck. Harndrang entsteht. Doch noch ist der
Abfluss verschlossen.
Bis
hierher unterliegt die Blasenfunktion nicht unserem Einfluss. Erst die
willkürliche Entspannung des Schließmuskels und des Beckenbodens führt zum
erwünschten Wasserlassen und damit zur Erleichterung. Daraus ergeben sich
auch schon die häufigsten Gründe für Blasenprobleme bei der Frau: Die
kurze Harnröhre und ihre Öffnung in der Nähe von Scheide und Darm
begünstigen Harnwegsentzündungen. Schwangerschaften, Geburten und
Östrogenmangel nach den Wechseljahren verändern die Anatomie des
Beckenbodens und können zur Harninkontinenz (Blasenschwäche) führen.
Allerdings gibt es noch andere Ursachen der Harninkontinenz - nerval,
medikamentös oder psychisch bedingte.
Entzündungen der Harnblase
Brennen beim Wasserlassen,
Ziehen in der Blase und das Gefühl, ständig zur Toilette laufen zu müssen,
sind untrügliche Zeichen für einer Blasenentzündung (Urocystitis). Wegen
der Nähe der Harnröhrenöffnung zu Scheide und Darm gelangen Bakterien aus
Darm und Vagina leicht in die Harnblase.
Oft besiedeln die
Krankheitskeime nur die Schleimhaut, die unter Östrogeneinfluss gut
geschützt ist. Mitunter dringen sie aber auch in die Blasenwand ein und
können Blutungen verursachen. Wir sprechen dann von einer hämorrhagischen
Cystitis.
Blasenentzündungen können
auch durch Geschlechtsverkehr verursacht werden ("Flitterwochencystitis").
Da die Scheide normalerweise auch von anderen als den Milchsäurebakterien
besiedelt ist, kommt es durch Geschlechtsverkehr geradezu zum Einmassieren
der Keime in die Harnröhre.
Unterkühlung begünstigt
Harnwegsinfektionen ebenfalls, da die Abwehrmechanismen geschwächt sind
und die Schleimhaut weniger durchblutet wird.
Frauen in und nach den
Wechseljahren haben ein besonderes Handicap. Bei ihnen mangelt es an
Östrogenen, die die Schleimhäute der Blase und der Harnröhre schützen.
Außerdem fehlt es ihnen deshalb auch an Milchsäurebakterien in der
Scheide. Sie haben häufig eine bakterielle Fehlbesiedelung der Scheide.
Pathogene (krankmachende) Keime können sich leichter ansiedeln und so in
die Blase gelangen.
Schwere Blasenentzündungen
bergen die Gefahr, dass die Keime über die Harnleiter in die Nieren
aufsteigen und Nierenbeckenentzündungen verursachen. Bei Schwangeren
können sie auch reflektorisch vorzeitige Wehen mit der Gefahr von Fehl-
und Frühgeburten auslösen.
Die Interstitielle Cystitis
ist ebenfalls eine Blasenentzündung allerdings ohne Nachweis von
Bakterien. Sie verursacht Schmerzen, die unerträglich werden können. Die
Patienten haben ständigen Harndrang. Dahinter steckt mutmaßlich eine
Immunreaktion gegen das Blasengewebe. Leider gibt es dagegen bisher noch
keine sicher erfolgreiche Behandlung.
Die sogenannte Reizblase
täuscht durch ähnliche Beschwerden eine Blaseninfektion vor. Sie gehört
aber eher in die Gruppe der Inkontinenz-Erkrankungen. Auch funktionelle
oder psychovegetative Erkrankungen können Blasenprobleme verursachen, die
der Blasentzündung ähnlich sind.
Behandlung und Vorbeugung
Der
Verdacht auf eine Blaseninfektion sollte Sie zu einem Arztbesuch
veranlassen. Die notwendigen Untersuchungen sind problemlos und nicht
schmerzhaft.
Auf
jeden Fall muss der Urin untersucht werden. Er muss natürlich möglichst
sauber gewonnen werden um Verunreinigungen zu vermeiden. Wir nennen es
Mittelstrahlurin: die erste Fraktion wird nicht aufgefangen. Erst wenn die
Blase teilweise entleert wurde, wird der Becker in den Harnstrahl
gehalten. Bei hartnäckigen Beschwerden kann auch einmal erforderlich sein,
den Urin per Katheter unmittelbar aus der Blase zu gewinnen.
Der Urin
wird mit Teststreifen und unter dem Mikroskop untersucht. In
problematischen Fällen erfolgt auch die Keim- und Keimzahlbestimmung und
die Austestung der Sensibilität auf geeignete Antibiotika.
Eine
heftige Blasenentzündung wird mit Antibiotika behandelt. Oft reicht schon
die Ein-Tages-Dosis eines einfachen Antibiotikums. Hartnäckige
Harnwegsinfekte, besonders wenn es bereits zur Nierenbeckenentzündung
gekommen ist, erfordern eine gezielte und mehrtägige antibiotische
Therapie.
"Einfache" entzündliche Reizungen der Harnblase müssen aber nicht immer
mit der "chemischen Keule" angegangen werden. Vielmehr unterstützt
reichliche Spülung der Nieren und der Harnblase mit Tees oder Fruchtsäften
die Selbstheilung des Körpers.
Frauen,
die zu häufigen Blasenproblemen neigen, können auch vorbeugend etwas tun:
-
Intimhygiene (nach dem Stuhlgang immer von vorne nach hinten abwischen)
-
Nach
dem Geschlechtsverkehr die Blase entleeren
-
Unterkühlung vermeiden und für warme Füße sorgen
-
Eventuell Hormontherapie nach den Wechseljahren
-
Naturheilkundliche Mittel
Gerade
die Naturheilkunde bietet zahlreiche Möglichkeiten, die Abwehrkräfte des
Körpers auf natürlichem Weg positiv zu beeinflussen.