Frauenarzt-Praxis Berlin Mitte

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  Dr. med. Achim Passloer

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Die Endometriose

Bei der Endometriose handelt es sich um Ansiedelungen von Zellen, die den Zellen der Schleimhaut in der Gebärmutter (Endometrium) ähnlich sind, außerhalb der Gebärmutterhöhle. Die Häufigkeit der Endometriose wird auf etwa 10 % aller Frauen im geschlechtsreifen Alter geschätzt. Die Beschwerden sind vielfältig. Sie können völlig fehlen oder reichen bis zu erheblichen Schmerzen und ungewollter Kinderlosigkeit.

 

Die Ursachen der Endometriose sind letztlich nicht geklärt. Allerdings kann von fünf hypothetischen Erklärungsmodellen ausgegangen werden. Bei allen fünf Modellen liegt mutmaßlich auch ein Immundefizit vor. Denn ortsuntypische Zellen werden physiologischerweise eliminiert.

 

Retrograde Menstruation: Bei der Regelblutung fließen abgestoßene Endometriumzellen mit dem Blut nicht nur über den Gebärmutterhals nach außen sondern auch über die Eileiter in die Bauchhöhle und nisten sich dort ein.

 

Metaplasie: Endometriosezellen entstehen durch Gewebszellen anderer Organe spontan. Solche Zellveränderungen werden auch in anderen Zusammenhängen beobachtet.

 

Embroynale Entstehung: In der Embryonalzeit siedeln sich spätere Endometriumzellen auch außerhalb der Gebärmutterhöhle an. Möglicherweise ergänzen sich diese und die Metaplasie-Theorie teilweise.

 

Hämatogene oder lymphogene Streuung: Endometriosezellen dringen in Blutgefäße oder Lymphspalten ein und gelangen so zu anderen Organen, wo sie sich absiedeln.

 

Infiltrierendes Wachstum: Die unteren Schichten des Endometriums konnen abnorm tief in die Gebarmuttermuskulatur hinein wachsen.

 

Am häufigsten finden sich Endometrioseherde an den Beckenorganen, in der Gebärmutterwand und auf den Eierstöcken, aber auch auf den Eilleitern oder dem Bauchfell der Harnblase, des Darms und des übrigen Bauchraums. Aber auch Endometriose der Haut, der Nieren und der Lungen sind beschrieben worden.

 

Endometrioseherde wachsen punktförmig bis flächenförmig. Sie sind stecknadelkopfgroß oder bilden auch größere Zysten gerade an den Eierstöcken. Endometriose kann zu nicht unerheblichen Verwachsungen im Bauchraum und somit auch zur ungewollten Kinderlosigkeit führen. Mitunter wachsen die Herde auch in andere Organe hinein.

 

Das Beschwerdebild der Endometriose ist breit. Als typisch werden oft regelabhängige Unterbauchschmerzen (Dysmenorrhoe) genannt, die zwei oder drei Tage vor der Menstruation einsetzen. Aber auch alle anderen Typen des akuten oder chronischen Unterbauchschmerzes können beklagt werden bis hin zu Dyspareunie (Schmerzen beim Geschlechtsverkehr), Schmerzen beim Wasserlassen oder Stuhlgang. Die Schmerzintensität ist nicht abhängig von der Ausdehnung des Befundes.

 

Endometrioseherde reagieren ebenso wie das Endometrium der Gebärmutter auf den hormonellen Zyklus. Sie proliferieren (wachsen) mit ansteigendem Östrogenspiegel und bluten zur Zeit der Menstruation ab. Sind Endometrioseherde in die Harnblase oder den Darm hineingewachsen, kommt es naturgemäß auch hier zur Blutung

 

 

Therapie der Endometriose

 

Die Endometriose ist die häufigste Ursache für chronisch wiederkehrende Unterbauchschmerzen oder unerfüllten Kinderwunsch. Deshalb ist eine exakte laparoskopische Diagnostik (Bauchspiegelung) erforderlich. Dabei ergibt sich gleichzeitig die Möglichkeit, die Therapie einzuleiten. Sichtbare Endometrioseherde können elektrisch, per Laser oder invasiv-operativ entfernt und Verwachsungen gelöst werden. Oft ist - gerade bei jüngeren Frauen und Kinderwunschpatientinnen - die operative Behandlung nicht ausreichend. Daher wird in einem zweiten Therapieschritt die Ursache der Endometriose angegangen.

 

Dazu muss die Östrogenproduktion in den Ovarien (Eierstöcken) vorübergehend unterdrückt und das Wachstum der Endometrioseherde gehemmt werden. Die ovarielle Östrogensynthese wird stimuliert durch Hormone der Hirnanhangdrüse (Hypophyse). Sie wird ihrerseits gesteuert durch das Peptidhormon GnRH des Hypothalamus (Mittelhirn), das pulsatil (in Schüben) freigesetzt wird. Auf kontinuierliche GnRH-Reize reagiert die Hypophyse nicht.

 

Ansatzpunkt der medikamentösen Behandlung ist also, mit kontinuierlich gegebenen synthetischen GnRH-Präparaten die Hypophyse an der Stimulierung der Ovarien zu hemmen. Das hat zur Folge, dass die Patientin zeitweise (vier bis sechs Monate) den Hormonstatus einer Frau nach dem Klimakterium erreicht - mit allen Konsequenzen und Beschwerden. Diese Beschwerden lassen sich jedoch mit einer niedrig dosierten Hormonersatz-Therapie lindern.

 

In einem dritten Behandlungsschritt, so wird bei ausgedehnten Befunden empfohlen, schließt sich unmittelbar an die medikamentöse Therapie eine erneute Operation an, um verbliebene Endometriosereste zu sanieren.

 

Sterilitätspatientinnen werden anschließend je nach Befund und Verlauf eventuell stimuliert, um die nun günstigere Ausgangslage möglichst rasch zu nutzen. Denn trotz zu erwartenden Therapieerfolgs ist häufig mit einer Neuentstehung der Krankheit zu rechnen.

 

Bei weniger hartnäckigen Verläufen können auch weniger invasive Therapieansätze greifen, besonders wenn ein Kinderwunsch nicht besteht. Ein schwacher Trost für Endometriosepatientinnen mag sein, dass sich die Endometrioseherde nach den Wechseljahren zurückbilden.

 

 

 

 

 

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