Bei der Endometriose handelt
es sich um Ansiedelungen von Zellen, die den Zellen der Schleimhaut in der
Gebärmutter (Endometrium) ähnlich sind, außerhalb der Gebärmutterhöhle.
Die Häufigkeit der Endometriose wird auf etwa 10 % aller Frauen im
geschlechtsreifen Alter geschätzt. Die Beschwerden sind vielfältig. Sie
können völlig fehlen oder reichen bis zu erheblichen Schmerzen und
ungewollter Kinderlosigkeit.
Die Ursachen der
Endometriose sind letztlich nicht geklärt. Allerdings kann von fünf
hypothetischen Erklärungsmodellen ausgegangen werden. Bei allen fünf
Modellen liegt mutmaßlich auch ein Immundefizit vor. Denn ortsuntypische
Zellen werden physiologischerweise eliminiert.
Retrograde Menstruation: Bei
der Regelblutung fließen abgestoßene Endometriumzellen mit dem Blut nicht
nur über den Gebärmutterhals nach außen sondern auch über die Eileiter in
die Bauchhöhle und nisten sich dort ein.
Metaplasie:
Endometriosezellen entstehen durch Gewebszellen anderer Organe spontan.
Solche Zellveränderungen werden auch in anderen Zusammenhängen beobachtet.
Embroynale Entstehung: In
der Embryonalzeit siedeln sich spätere Endometriumzellen auch außerhalb
der Gebärmutterhöhle an. Möglicherweise ergänzen sich diese und die
Metaplasie-Theorie teilweise.
Hämatogene oder lymphogene
Streuung: Endometriosezellen dringen in Blutgefäße oder Lymphspalten ein
und gelangen so zu anderen Organen, wo sie sich absiedeln.
Infiltrierendes Wachstum:
Die unteren Schichten des Endometriums konnen abnorm tief in die
Gebarmuttermuskulatur hinein wachsen.
Am häufigsten finden sich
Endometrioseherde an den Beckenorganen, in der Gebärmutterwand und auf den
Eierstöcken, aber auch auf den Eilleitern oder dem Bauchfell der
Harnblase, des Darms und des übrigen Bauchraums. Aber auch Endometriose
der Haut, der Nieren und der Lungen sind beschrieben worden.
Endometrioseherde wachsen
punktförmig bis flächenförmig. Sie sind stecknadelkopfgroß oder bilden
auch größere Zysten gerade an den Eierstöcken. Endometriose kann zu nicht
unerheblichen Verwachsungen im Bauchraum und somit auch zur ungewollten
Kinderlosigkeit führen. Mitunter wachsen die Herde auch in andere Organe
hinein.
Das Beschwerdebild der
Endometriose ist breit. Als typisch werden oft regelabhängige
Unterbauchschmerzen (Dysmenorrhoe) genannt, die zwei oder drei Tage vor
der Menstruation einsetzen. Aber auch alle anderen Typen des akuten oder
chronischen Unterbauchschmerzes können beklagt werden bis hin zu
Dyspareunie (Schmerzen beim Geschlechtsverkehr), Schmerzen beim
Wasserlassen oder Stuhlgang. Die Schmerzintensität ist nicht abhängig von
der Ausdehnung des Befundes.
Endometrioseherde reagieren
ebenso wie das Endometrium der Gebärmutter auf den hormonellen Zyklus. Sie
proliferieren (wachsen) mit ansteigendem Östrogenspiegel und bluten zur
Zeit der Menstruation ab. Sind Endometrioseherde in die Harnblase oder den
Darm hineingewachsen, kommt es naturgemäß auch hier zur Blutung
Therapie der Endometriose
Die Endometriose ist die
häufigste Ursache für chronisch wiederkehrende Unterbauchschmerzen oder
unerfüllten Kinderwunsch. Deshalb ist eine exakte laparoskopische
Diagnostik (Bauchspiegelung) erforderlich. Dabei ergibt sich gleichzeitig
die Möglichkeit, die Therapie einzuleiten. Sichtbare Endometrioseherde
können elektrisch, per Laser oder invasiv-operativ entfernt und
Verwachsungen gelöst werden. Oft ist - gerade bei jüngeren Frauen und
Kinderwunschpatientinnen - die operative Behandlung nicht ausreichend.
Daher wird in einem zweiten Therapieschritt die Ursache der Endometriose
angegangen.
Dazu muss die
Östrogenproduktion in den Ovarien (Eierstöcken) vorübergehend unterdrückt
und das Wachstum der Endometrioseherde gehemmt werden. Die ovarielle
Östrogensynthese wird stimuliert durch Hormone der Hirnanhangdrüse
(Hypophyse). Sie wird ihrerseits gesteuert durch das Peptidhormon GnRH des
Hypothalamus (Mittelhirn), das pulsatil (in Schüben) freigesetzt wird. Auf
kontinuierliche GnRH-Reize reagiert die Hypophyse nicht.
Ansatzpunkt der
medikamentösen Behandlung ist also, mit kontinuierlich gegebenen
synthetischen GnRH-Präparaten die Hypophyse an der Stimulierung der
Ovarien zu hemmen. Das hat zur Folge, dass die Patientin zeitweise (vier
bis sechs Monate) den Hormonstatus einer Frau nach dem Klimakterium
erreicht - mit allen Konsequenzen und Beschwerden. Diese Beschwerden
lassen sich jedoch mit einer niedrig dosierten Hormonersatz-Therapie
lindern.
In einem dritten
Behandlungsschritt, so wird bei ausgedehnten Befunden empfohlen, schließt
sich unmittelbar an die medikamentöse Therapie eine erneute Operation an,
um verbliebene Endometriosereste zu sanieren.
Sterilitätspatientinnen
werden anschließend je nach Befund und Verlauf eventuell stimuliert, um
die nun günstigere Ausgangslage möglichst rasch zu nutzen. Denn trotz zu
erwartenden Therapieerfolgs ist häufig mit einer Neuentstehung der
Krankheit zu rechnen.
Bei weniger hartnäckigen
Verläufen können auch weniger invasive Therapieansätze greifen, besonders
wenn ein Kinderwunsch nicht besteht. Ein schwacher Trost für
Endometriosepatientinnen mag sein, dass sich die Endometrioseherde nach
den Wechseljahren zurückbilden.