Infertilität und künstliche Befruchtung
Im
Gegensatz zu den rasanten Fortschritten, die bei den
Behandlungsmöglichkeiten unfruchtbarer Frauen in den letzten Jahrzehnten
erzielt wurden, blieben vergleichbare Erfolge bei den Männern weitgehend
aus. Denn trotz aller Anstrengungen, Medikamente zu entwickeln, um damit
bei Männern eine eingeschränkte Fertilität zu beheben, gibt es in dieser
Hinsicht bislang keine Erfolg versprechenden Ansätze. Somit lassen sich
einerseits Fruchtbarkeitsstörungen des Mannes im eigentlichen Sinn nicht
beheben. Andererseits stehen heute Techniken zur Verfügung, mit denen
die Zeugungsunfähigkeit kompensiert wird.
Häufig werden in den Hoden nur in unzureichender Menge normale, gut
bewegliche Spermien gebildet. In den meisten Fällen lässt sich der Grund
hierfür nicht feststellen. Gelegentlich können aber Mumps in der
Kindheit, Krampfadern im Bereich der Hoden ("Varikozele"),
Hormonstörungen, Stress oder ein Hodenhochstand als Ursache für die
gestörte Spermienbildung ausgemacht werden.
Insemination erleichtert den Spermien den Weg zur Eizelle
Ist die
Zeugungsfähigkeit des Mannes nur geringgradig eingeschränkt, kann eine
Samenprobe direkt in die Gebärmutter eingebracht werden ("Intrauterine
Insemination", IUI). Dazu wird der Samen vor der künstlichen Befruchtung
aufbereitet, so dass gesunde, mobile Spermien angereichert werden, denen
dann durch die Insemination der mühevolle Weg zur Eizelle verkürzt wird.
Häufig ist es sinnvoll, bei der Frau gleichzeitig die Reifung der
Eizellen zu stimulieren. Dadurch können mehrere (bis zu etwa drei)
Eizellen heranreifen, so dass die Chance einer Befruchtung weiter
steigt.
Die Befruchtung kann auch außerhalb des Körpers erfolgen
Wenn diese
Methode keinen Erfolg verspricht, kann versucht werden, eine Befruchtung
außerhalb des Körpers in einer Glasschale vorzunehmen ("In-vitro-Fertilisation",
IVF) und einen dabei erhaltenen Embryo über einen dünnen Katheter in die
Gebärmutter einzubringen. Zunächst werden bei der Frau die Eierstöcke
durch eine Behandlung mit Follikel-stimulierendem Hormon (FSH) angeregt,
mehrere befruchtungsfähige Eizellen zu bilden. Diese lassen sich meist
durch die Scheide mit Hilfe einer dünnen Nadel unter
Ultraschall-Überwachung entnehmen. In einem Brutschrank haben die
Spermien nun 24 Stunden Zeit, Eizellen zu befruchten. Ist dies
erfolgreich, werden der Frau bis zu drei davon in die Gebärmutter
übertragen.
Ein Spermium kann direkt in eine Eizelle eingeführt werden
Seit mehr
als 15 Jahren besteht selbst bei gravierenden Fruchtbarkeitsstörungen
des Mannes Hoffnung auf eigene Nachkommen. In diesen Fällen lässt sich
ein Spermium mit Hilfe eines Mikromanipulators durch eine ultradünne
Kanüle in eine aus dem Eierstock gewonnene Eizelle direkt einführen ("Intrazytoplasmatische
Spermiuminjektion", ICSI). Diese Methode wird in Deutschland bereits
seit 1994 erfolgreich praktiziert. Die Aussicht pro Behandlungszyklus zu
einem Kind zu kommen, ist heute nicht schlechter als die
Wahrscheinlichkeit eines gesunden Paares, in einem Zyklus der Frau
Nachwuchs zu zeugen.
Auch nahezu unfruchtbare Männer können heute Väter werden
Inzwischen
können sogar Männer, bei denen keine Samenfäden im Ejakulat zu finden
sind, Väter werden. Mit Hilfe eines kleinen Eingriffs lassen sich
Spermien nämlich direkt aus den Hoden oder den Nebenhoden gewinnen.
Dabei entnommene überschüssige Spermien können eingefroren werden, so
dass kein erneuter Eingriff notwendig wird, falls mehrere
Behandlungszyklen bei der Frau erforderlich sind.