Fruchtwasser-Untersuchung und
Nabelschnurpunktion
Wie die Chorionzottenbiopsie
dient auch die Amniozentese der Gewinnung kindlicher Zellen, um sie auf
chromosomale Veränderungen untersuchen zu können. Mit einer dünnen Kanüle
wird die Fruchthöhle nach einer örtlichen Betäubung durch die Bauchdecken
punktiert und Fruchtwasser entnommen. Das geschieht unter Ultraschallsicht.
Eine Berührung oder gar Verletzung des Feten wird damit vermieden.
Bei der Amniozentese wird nur
wenig Fruchtwasser entnommen. Das schadet dem Kind nicht. Das Fruchtwasser
ist nach kurzer Zeit wieder aufgefüllt. In dem Fruchtwasser schwimmen
kindliche Zellen, die durch Zellkultur vermehrt und zur Zellteilung gebracht
werden. Die Chromosomen sind nur in der Zellteilungsphase sichtbar. Die
Fruchtwasserpunktion findet in der Regel zwischen der 15. und 18.
Schwangerschaftswoche statt, sie kann aber auch noch später durchgeführt
werden. Das Ergebnis der Chromosomenanalyse liegt üblicherweise innerhalb
von zwei Wochen vor.
Mit Hilfe der Fluoreszenz-in situ-Hybridisierung (FISH) können die
Chromosomen 21, 18, 13 und die Geschlechtschromosomen X und Y im Kern
unkultivierter Zellen angefärbt werden. Es handelt sich um einen
"Schnelltest". Das Ergebnis über diese häufigsten numerischen
Chromosomenstörungen erhält man nach 1-2 Tagen. Damit sind bereits 85% der
Chromosomenstörungen abgeklärt.
Das Risiko für eine Fehlgeburt nach einer Fruchtwasserpunktion liegt etwa
bei 0,5% und damit unter dem Fehlgeburtsrisiko der Chorionzottenbiopsie.
Erkannt werden Veränderungen
an den Chromosomen – sei es eine veränderte Anzahl oder eine veränderte
Struktur. Unter bestimmten Voraussetzungen können auch molekulargenetische
und biochemische Untersuchungen durchgeführt werden. Ein unauffälliger
Chromosomenbefund schließt natürlich einen Gendefekt,
Stoffwechselerkrankungen, isolierte körperliche Fehlbildungen (z.B.
Herzfehler) oder geistige Behinderungen nicht aus. In der 20.-22. SSW sollte
daher immer eine detaillierte Ultraschalluntersuchung durchgeführt werden.
Bei einigen Erkrankungen oder
bei unklaren Chromosomenbefunden nach einer Amniozentese kann die direkte
Untersuchung des kindlichen Blutes oder eine Bluttransfusion noch im
Mutterleib erforderlich sein. Dazu wird mit einer dünnen Nadel direkt die
Nabelschnurvene des Kindes punktiert.