Frauenarzt-Praxis Berlin Mitte

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  Dr. med. Achim Passloer

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Wie entwickelt sich mein Kind vor der Geburt?

Die frühe Schwangerschaft - Embryonalzeit

Jede ungestörte Schwangerschaft entwickelt sich am Anfang grundsätzlich gleich. Trotzdem gibt es viele individuelle Unterschiede. Die Schwangerschaft selbst wird von den Frauen unterschiedlich empfunden. Individuelle Schwangerschafts-Risiken können die Schwangerschaft beeinflussen. Nichtsdestoweniger, die Entwicklung der kindlichen Organe und ihrer Sinne bleibt fast immer gleich. Beschäftigen wir uns hier also mit der Entwicklung des Kindes und seiner Organe:

SSW 2+X

Die mütterliche Eizelle ist herangereift im sogenannten Tertiär- oder Graaf-Follikel. Ihre umgebenden Zellen haben die Gebärmutterschleimhaut angehalten, sich hoch aufzubauen und genügend Einnistungsfläche zu bieten. Östrogene aus den Eierstöcken haben dies bewirkt. Nachdem die Hirnanhangdrüse die Produktion des Follikel stimulierende Hormon (FSH) unter dem hohen Östrogen-Einfluss herunter regulierte und das Luteinisierende Hormon (LH) bildete, kam es zur Ovulation (Eisprung), und der Follikel, in dem die Eizelle heran reifte wurde zum Gelbkörper (Corpus luteum) umgebildet. Der Gelbkörper und sein Hormon (Progesteron) sorgen nun dafür, dass die Gebärmutterschleimhaut möglichst optimal auf die Einnistung der befruchteten Eizelle vorbereitet werden. Sie wird durch Schlängelung ihrer Blutgefäße stärker durchblutet.

SSW 3+X

Die Eizelle wurde in der letzten Woche befruchtet. Sie ist die größte Zelle des menschlichen Körpers mit einem Durchmesser von 0,2 mm. Die Befruchtung hat im Eileiter stattgefunden. Nun teilte sich nach wenigen Stunden die Eizelle zum Zwei-, Vier-, Achtzeller-Stadium. An Größe hat dieses frühe Schwangerschaftsprodukt nicht zugenommen. Möglicherweise haben sich auch Zellen aus diesem Zellverband herausgelöst und leben ihr eigenes Leben - der Beginn eineiiger Zwillinge. Möglicherweise sind zuvor auch zwei Eizellen herangereift und beide befruchtet worden - der Beginn zweieiiger Zwillinge.

Nun jedenfalls hat sich die Schwangerschaft eingenistet. Sie hat sich in die Gebärmutterschleimhaut "eingenistet", einen Blutsee erzeugt, der mit einem Fibrinpfropfen wieder verschlossen wurde, und schmarotzt jetzt bei der Mutter. Dabai gibt es zwei größere Probleme. Erstens ist das Schwangerschaftsprodukt keine eigenes mütterliches Gewebe. Es würde unweigerlich von der mütterlichen Immunabwehr "aufgefressen" werden. Also legt es die Immunabwehr diesbezüglich lahm. Zweitens "hält" der mütterliche Gelbkörper nur rund 14 Tage, weil die Hirnanhangdrüse das LH nur so lange produziert. Das Schwangerschaftsprodukt produziert jetzt also ein ähnliches Hormon, das humane Chorion Gonadotropin (ß-HCG), die Wirkung des LH ersetzt und die Mutter weiter zur Aufrechterhaltung des Gelbkörpers und zur Progesteronausschüttung stimuliert und ihr damit eine neue Menstruationsblutung (Abbruchblutung) verbietet.

Wie man sieht, das Kind hat die Mutter voll im Griff. Wenn der mütterliche Organismus mitspielt und das Kind nicht geschädigt wird, steht einer Schwangerschaft nun nichts mehr im Wege.

SSW 4+X

Die erwartete Regelblutung bleibt aus. Im Urin lässt sich HCG nachweisen (Schwangerschaftstest). Ein untrügerisches Zeichen für eine Schwangerschaft. Der Embryo hat jetzt eine Länge von etwa zwei Millimeter. Das Rückenmark, das bis zu diesem Zeitpunkt noch offen ist, verschließt sich. Dabei hilft zusätzliche Aufnahme von Folsäure. Die ersten Blutgefäße und Blutzellen bilden sich. Die Blutzellen haben aber noch keine Blutgruppeneigenschaften und insbesondere noch keinen Rhesus-Faktor. Das kommt erst zwei Wochen später. Ein schlauchförmiges Herz hat sich gebildet, das bald anfangen wird, zu schlagen. Die Arme und Beine bilden sich.

SSW 5+X bis 12+X

Nun geht es rasant weiter. Am 42. Zyklustag setzt die Herzfrequenz sichtbar ein. Das Herzrohr hat sich gefaltet. Zunächst schlug es nur mit einer Kammer, jetzt haben sich die beiden Herzkammern durch die Kammerscheidewand getrennt.

Gleichzeitig bilden sich der Darm, die Lungen, die Schilddrüse, die Leber und die Bauchspeicheldrüse.

Eine Woche später sind Finger und Zehen gesprossen. Das Gesicht hat Formen angenommen. Zunächst hat sich der Unterkiefer gebildet, eine Woche später sind auch Oberkiefer und Oberlippe geschlossen, dann werden Nase und Mund durch den Gaumen voneinander getrennt, der Rachen ausgebildet. Bis zum Ende der 10. SSW sind Nase, Ohren und Augen angelegt.

Schließlich sind alle Organe gebildet worden. Die Blutgruppe liegt seit der 7. SSW fest. Seit der 10. SSW produzieren die Hoden bereits Testosteron, das männliche Geschlechtshormon, damit auch die Geschlechtsorgane "richtig" angelegt werden. Das Kind bewegt sich selbst aktiv, denn seine Muskulatur ist angelegt. Eigentlich muss nach der vollendeten 12. SSW alles nur noch wachsen. Die Drüsen produzieren bereits Hormone, die Bauchspeicheldrüse beispielsweise Insulin. Die Nieren bilden Urin.

Nur eines ist problematisch: Alle schädigenden Einflüsse wirkten sich sich seit der SSW 5 nicht mehr nur auf das Leben des Kindes insgesamt aus. Das "Alles-oder-Nichts-Gesetz" vom Anfang der Schwangerschaft galt nicht mehr. Was jetzt geschädigt hat, schädigte "nur" die Organentwicklung im jeweiligen Schwangerschaftsstadium, in sehr seltenen Fällen mit schlimmen Folgen.

Am Ende der 12. Schwangerschaftswoche ist die Embryonalzeit abgeschlossen. Das Kind hat jetzt eine Länge von insgesamt etwa 8 - 9 cm (Scheitel-Fuß-Länge, Scheitel-Steiß-Länge ca. 5,5 cm). Vor neun Wochen war es noch ein Zellhaufen von 0,2 mm Durchmesser. Aus den pluripotenten (vielseitigen) menschlichen Stammzellen ist ein Mensch geworden. Er ist fast um das 500-fache in kürzester Zeit gewachsen und die Zellen haben sich differenziert - die schnellste Entwicklung im Leben eines Menschen - aber eben auch die gefährlichste.

Im Vergleich zu den Wochen zuvor wird zukünftig das Fehlgeburts- und Fehlbildungsrisiko deutlich geringer sein. Das Kind wird sich entwickeln, die Beschwerden der Mutter werden nachlassen, wie Übelkeit, Erbrechen, nicht gekannte Gelüste auf abnorme Speisenzusammenstellungen und vieles mehr. Die Schwangerschaft wird zur Normalität werden. Das Kind hat die Mutter im Griff. Das sieht die Natur so vor.

 

 

 

 

 

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