Frauenarzt-Praxis Berlin Mitte

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  Dr. med. Achim Passloer

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Wie entwickelt sich mein Kind vor der Geburt?

Die spätere Schwangerschaft - Fetalzeit

Die erste Hürde ist geschafft. Der Embryo hat sich zur Zufriedenheit entwickelt. Nun kommt er/sie in ein zweites Stadium. Das Kind ist nicht mehr Embryo, es ist ein Fetus, früher auch Foetus geschrieben. Was ist der Unterschied zwischen dem Embryo und dem Fetus/Foetus? Der Embryo musste sich zum Menschen ausbilden, der Fetus muss reifen. Im Prinzip ist es wie später im Leben. Niemand ist fertig, jeder Mensch entwickelt sich - und das lange vor der Geburt.

SSW 12 - 20

Der Fetus beginnt mit einer Gesamtlänge von 8 - 9 cm. Jetzt bildet sich das Skelettsystem langsam aus. Die inneren und äußeren Geschlechtsorgane sind gebildet. Das Gesicht wird immer menschlicher. Die Bewegungen sind zwar noch unkoordiniert, trotzdem gelingt es dem Daumen immer wieder, in den Mund zu gelangen. Das Kind lutscht am Daumen und fühlt sich dabei offensichtlich wohl. Die Ohren sind fertig, Die Augen bewegen sich. Die Hände können sich zur Faust ballen.

Finger- und Zehennägel bilden sich. Unwillkürlich kann das Kind sein Gesicht verziehen, die Stirn kräuseln, Mimik zeigen. Das Unterhautfettgewebe bildet sich langsam heraus.

In der 18. SSW reagiert das Auge bereits auf Lichtreize. Die Haut bildet eine schützende äußere Fettschicht, die Vernix. Sie wird dicker und behaart, die Lanugo-Behaarung.

Das Kind bildet seine Sinne aus, der Tastsinn ist bereits vorhanden, es kann Schmerzen empfinden. Es beginnt zu hören.

Die Mutter nimmt die Kindsbewegungen erstmals bewusst wahr.

SSW 20 - 28

Das Kind hat jetzt eine Gesamtlänge von fast 20 cm. Es nimmt rasch an Gewicht zu und wiegt rund 350 - 400 g. Bei Jungen sind die Hoden noch inaktiv. Mädchen bilden aber jetzt schon ca. sechs Millionen Eizellen in den Eierstöcken. Bis zur Geburt wird ein großer Teil der Eizellanlagen wieder zugrunde gehen. Das Sterben beginnt offensichtlich schon vor der Geburt - nichts, was Besorgnis erregen müsste. Es ist natürlich.

Langsam entwickelt das Kind einen Wach-Schlaf-Rhythmus. Über den ganzen Tag verteilt zeigt das Kind Phasen von Inaktivität (Schlaf) von etwa 20 Minuten Dauer. Bis zur Geburt wird sich das nicht ändern. Erst sehr viel später nach der Geburt wird es diesen Rhythmus ändern.

Schließlich kann das Kind alles, was man von einem Neugeborenen erwartet. Es reagiert auf Geräusche, Licht, Schmerzen, Geruch, Geschmack, Berührung. Es reagiert auf das Wohlbefinden oder Missempfinden der Mutter. Doch es kann noch mehr. Es beeinflusst den Organismus der Mutter. Mütter, die beispielsweise zu Diabetes neigen, steuert das Kind durch vermehrte Insulinproduktion.

Das Kind ist bereits ein hochintelligenter Organismus. Denken kann es sicherlich noch nicht. Aber es sammelt Reize und kann sich damit auseinander setzen. Biologisch kann es sogar agieren.

SSW 28 bis zur Geburt - ... und danach

Das Kind wächst ständig, die Organe werden reifer und funktionstüchtiger. Anatomisch ist es längst fertig. Speziell Lungen und Leber müssen aber noch heranreifen. Andere Organe haben dagegen ihre Funktion längst aufgenommen. Ab der 36. SSW kann das Kind einen großen Teil des mütterlichen Insulinbedarfs bilden, ein wichtiger Zeitpunkt, um zum Beispiel eine schwangere Diabetikerin engmaschig zu kontrollieren.

Das Kind sammelt Gewicht, speziell durch Ausbildung der Haut und des Unterhautfettgewebes, um sich gegen die "feindliche" Außenwelt wehren zu können. Die Proportionen des Körpers ändern sich. Während der Kopf-Querdurchmesser vorher größer war als der Bauch-Querdurchmesser, verändert sich das Verhältnis ab der 36. SSW in das Gegenteil - ein wichtiges Indiz für eine gute körperliche Entwicklung. Das Gewicht steigt von ca. 800 g in der 28. SSW auf rund 3.500 g am Ende der Schwangerschaft.

Es wird geboren. Das Kind hat sich längst durchgeboxt gegen alle möglichen Anfeindungen. Es hat sich entwickelt, hat die Mutter gesteuert, damit es wachsen und zum Mensch werden konnte. Schon zu Beginn, längst vor der ausgebliebenen Regelblutung, musste es sich gegen die Immunabwehr der Mutter durchsetzen, um nicht als "körperfremd" abgestoßen zu werden. Später stellte es den mütterlichen Hormonhaushalt komplett um. Es hat an der Mutter gezehrt, ihr Übelkeit bereitet und sie unter Umständen außer Form gebracht. Es hat sich genommen was es brauchte, manchmal aber auch bekommen, was es nicht (b)rauchte.

Aus der Eizelle von 0,2 mm Durchmesser wurde ein hochdifferenzierter Organismus von etwa 50 cm Länge.

Die Geburt ist also gar nicht der Beginn des Lebens. Funktional wird das Kind sich weit über den Zeitpunkt der Geburt hinaus entwickeln. Erst im Alter von ca. sechs Jahren nach der Geburt werden das Gehirn voll entwickelt und die Nervenbahnen endgültig strukturiert sein. Das biologische Lernen wird durch soziales Lernen ersetzt. Und schließlich wird das Kind bis zum 16. oder 18. Lebensjahr wachsen, wenn sich die Wachstumsfugen der langen Röhrenknochen geschlossen haben werden. Zu diesem Zeitpunkt ist es körperlich längst  in der Lage, sich selbst vermehren zu können.

 

 

 

 

 

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