Wie entwickelt sich mein
Kind vor der Geburt?
Die
spätere Schwangerschaft - Fetalzeit
Die erste Hürde ist geschafft.
Der Embryo hat sich zur Zufriedenheit entwickelt. Nun kommt er/sie in ein
zweites Stadium. Das Kind ist nicht mehr Embryo, es ist ein Fetus, früher
auch Foetus geschrieben. Was ist der Unterschied zwischen dem Embryo und dem
Fetus/Foetus? Der Embryo musste sich zum Menschen ausbilden, der Fetus muss
reifen. Im Prinzip ist es wie später im Leben. Niemand ist fertig, jeder
Mensch entwickelt sich - und das lange vor der Geburt.
SSW 12 - 20
Der Fetus beginnt mit einer
Gesamtlänge von 8 - 9 cm. Jetzt bildet sich das Skelettsystem langsam aus.
Die inneren und äußeren Geschlechtsorgane sind gebildet. Das Gesicht wird
immer menschlicher. Die Bewegungen sind zwar noch unkoordiniert, trotzdem
gelingt es dem Daumen immer wieder, in den Mund zu gelangen. Das Kind
lutscht am Daumen und fühlt sich dabei offensichtlich wohl. Die Ohren sind
fertig, Die Augen bewegen sich. Die Hände können sich zur Faust ballen.
Finger-
und Zehennägel bilden sich. Unwillkürlich kann das Kind sein Gesicht
verziehen, die Stirn kräuseln, Mimik zeigen. Das Unterhautfettgewebe bildet
sich langsam heraus.
In der 18. SSW reagiert das
Auge bereits auf Lichtreize. Die Haut bildet eine schützende äußere
Fettschicht, die Vernix. Sie wird dicker und behaart, die Lanugo-Behaarung.
Das Kind bildet seine Sinne
aus, der Tastsinn ist bereits vorhanden, es kann Schmerzen empfinden. Es
beginnt zu hören.
Die Mutter nimmt die
Kindsbewegungen erstmals bewusst wahr.
SSW 20 - 28
Das
Kind hat jetzt eine Gesamtlänge von fast 20 cm. Es nimmt rasch an Gewicht zu
und wiegt rund 350 - 400 g. Bei Jungen sind die Hoden noch inaktiv. Mädchen
bilden aber jetzt schon ca. sechs Millionen Eizellen in den Eierstöcken. Bis
zur Geburt wird ein großer Teil der Eizellanlagen wieder zugrunde gehen. Das
Sterben beginnt offensichtlich schon vor der Geburt - nichts, was Besorgnis
erregen müsste. Es ist natürlich.
Langsam entwickelt das Kind
einen Wach-Schlaf-Rhythmus. Über den ganzen Tag verteilt zeigt das Kind
Phasen von Inaktivität (Schlaf) von etwa 20 Minuten Dauer. Bis zur Geburt
wird sich das nicht ändern. Erst sehr viel später nach der Geburt wird es
diesen Rhythmus ändern.
Schließlich
kann das Kind alles, was man von einem Neugeborenen erwartet. Es reagiert
auf Geräusche, Licht, Schmerzen, Geruch, Geschmack, Berührung. Es reagiert
auf das Wohlbefinden oder Missempfinden der Mutter. Doch es kann noch mehr.
Es beeinflusst den Organismus der Mutter. Mütter, die beispielsweise zu
Diabetes neigen, steuert das Kind durch vermehrte Insulinproduktion.
Das Kind ist bereits ein
hochintelligenter Organismus. Denken kann es sicherlich noch nicht. Aber es
sammelt Reize und kann sich damit auseinander setzen. Biologisch kann es
sogar agieren.
SSW 28 bis zur Geburt -
... und danach
Das
Kind wächst ständig, die Organe werden reifer und funktionstüchtiger.
Anatomisch ist es längst fertig. Speziell Lungen und Leber müssen aber noch
heranreifen. Andere Organe haben dagegen ihre Funktion längst aufgenommen.
Ab der 36. SSW kann das Kind einen großen Teil des mütterlichen
Insulinbedarfs bilden, ein wichtiger Zeitpunkt, um zum Beispiel eine
schwangere Diabetikerin engmaschig zu kontrollieren.
Das Kind sammelt Gewicht,
speziell durch Ausbildung der Haut und des Unterhautfettgewebes, um sich
gegen die "feindliche" Außenwelt wehren zu können. Die Proportionen des
Körpers ändern sich. Während der Kopf-Querdurchmesser vorher größer war als
der Bauch-Querdurchmesser, verändert sich das Verhältnis ab der 36. SSW in
das Gegenteil - ein wichtiges Indiz für eine gute körperliche Entwicklung.
Das Gewicht steigt von ca. 800 g in der 28. SSW auf rund 3.500 g am Ende der
Schwangerschaft.
Es
wird geboren. Das Kind hat sich längst durchgeboxt gegen alle möglichen
Anfeindungen. Es hat sich entwickelt, hat die Mutter gesteuert, damit es
wachsen und zum Mensch werden konnte. Schon zu Beginn, längst vor der
ausgebliebenen Regelblutung, musste es sich gegen die Immunabwehr der Mutter
durchsetzen, um nicht als "körperfremd" abgestoßen zu werden. Später stellte
es den mütterlichen Hormonhaushalt komplett um. Es hat an der Mutter
gezehrt, ihr Übelkeit bereitet und sie unter Umständen außer Form gebracht.
Es hat sich genommen was es brauchte, manchmal aber auch bekommen, was es
nicht (b)rauchte.
Aus der Eizelle von 0,2 mm
Durchmesser wurde ein hochdifferenzierter Organismus von etwa 50 cm Länge.
Die
Geburt ist also gar nicht der Beginn des Lebens. Funktional wird das Kind
sich weit über den Zeitpunkt der Geburt hinaus entwickeln. Erst im Alter von
ca. sechs Jahren nach der Geburt werden das Gehirn voll entwickelt und die
Nervenbahnen endgültig strukturiert sein. Das biologische Lernen wird durch
soziales Lernen ersetzt. Und schließlich wird das Kind bis zum 16. oder 18.
Lebensjahr wachsen, wenn sich die Wachstumsfugen der langen Röhrenknochen
geschlossen haben werden. Zu diesem Zeitpunkt ist es körperlich längst in
der Lage, sich selbst vermehren zu können.